Über Corona und eine neue Lernveranstaltung

18.01.2021

Über Corona und eine neue Lernveranstaltung

Ein Interview mit etit Prodekan Prof. Dr.-Ing. Marius Pesavento

Zum Wintersemester 2020/2021 wurden am Fachbereich etit neue Dekane gewählt. Dekan Prof. Dr.-Ing. Abdelhak Zoubir übernimmt für zwei Jahre die Leitung des Fachbereichs zusammen mit Prodekan Prof. Dr.-Ing. Marius Pesavento und Studiendekan Prof. Dr.-Ing. Harald Klingbeil. In einer kleinen Interviewserie stellen wir den Studierenden die neuen Dekane vor, damit diese wissen, wer die nächsten 2 Jahre ihren Studienalltag maßgeblich mitgestaltet.

Nach seinem Studium der Elektrotechnik an der Ruhr-Universität in Bochum und der McMaster University in Kanada arbeitete Prof. Dr.-Ing. Marius Pesavento von 2005 bis 2007 als Forschungsingenieur bei FAG Industrial Services GmbH. Danach war er als Leiter der Basisbandsignalverarbeitung bei der mimOn GmbH, einem Start-Up im Bereich der 4G Kommunikationssystem tätig. Seit 2009 arbeitet er an der TU, zunächst als Junior-Professor für robuste Sensorgruppensignalverarbeitung und ab 2013 als W3 Professor und Leiter des Fachgebiets Nachrichtentechnische Systeme. Seine Forschungsinteressen liegen im Bereich der Signalverarbeitung und der Mehrantennen-Kommunikationssysteme. Warum Ihn Signale und deren Verarbeitung interessieren und was er sich alles für seine Amtszeit vorgenommen hat, erzählt er im folgenden Interview.

Sehr geehrter Herr Professor Pesavento, welche Ziele haben Sie sich für ihre Amtszeit gesteckt?

In den nächsten Monaten stehen eine Reihe wichtiger struktureller Maßnahmen an: Der Umbau und die Sanierung des Hans-Busch Instituts (S3|06) ist in vollem Gange und wird uns noch einige Zeit begleiten. Damit verbunden ist der Umzug und die Zwischenunterbringung der Feinmechanischen Werkstatt bis die Sanierungsmaßnahmen in S3|09 beendet sind. Im Zuge dieser Veränderungen hat der Fachbereich die Zusammenlegung der Zentralen Werkstätten beschlossen, die nun zeitnah umgesetzt werden soll.

Auch die Planung des Umzugs der Hochspannungshalle nach Griesheim, der auch im Zusammenhang mit der Neuberufung der Professur Hochspannungstechnik steht, und die Planung zur Errichtung des Weiland-Gebäudes an der Stelle der aktuellen Hochspannungshalle steht in den nächsten Monaten an. Schließlich hat auch die Einrichtung eines zentralen Medizintechniklabors im Hans-Busch Institut einen hohen Stellenwert.

Wie schaffen Sie es, die zusätzlichen Aufgaben, die mit Ihrem Amt auf Sie zukommen, mit Ihren Lehr- und Forschungsaufgaben zu vereinen?

In meiner Funktion als Prodekan bin ich dankbar, auf ein sehr kompetentes Team von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unter der Leitung des Geschäftsführers Herrn Saß zurückgreifen zu können, das seine langjährige Erfahrung hervorragend einbringt.

Für mich persönlich stellt sich in diesem Semester die Herausforderung, dass ich einerseits meine Lehrveranstaltungen auf das Format der digitalen Lehre umstellen muss und andererseits mit der Vorlesung „Signalverarbeitung, Lernen und Optimierung in Graph-Netzwerken“ ein neues Modul anbieten möchte. Ich bin jedoch optimistisch, dass sich meine Aufgaben in der Selbstverwaltung gut mit meinen Interessen in Forschung und Lehre vereinbaren lassen.

Apropos Forschung: Was fasziniert Sie so an dem Gebiet der Nachrichtentechnik, dass Sie sich entschieden haben, darin zu forschen?

Die Nachrichtentechnik ist sehr vielfältig und hat zahlreiche interessante Anwendungsfelder. Sie ist eng verbandelt mit der Kommunikationstechnik, der Informationstechnik, und der Signalverarbeitung, um nur einige Themen zu nennen. Mich fasziniert es, neue Wege zu finden, Informationen energieeffizient zu übertragen, Informationen, die in Signalen verborgen sind, zu extrahieren und sichtbar zu machen und Informationen sicher und kompakt zu speichern.

Heutzutage stehen die Messdaten und Informationen, mit denen wir zu tun haben, immer häufiger verteilt in Netzwerken zur Verfügung. Beispiele dafür sind Nachrichten in sozialen Netzwerken oder die Bewegung von Fahrzeugen in Verkehrs- oder Transportnetzwerken. Diese Daten können nur im Kontext jeweiliger Netzwerke interpretiert werden. Dafür müssen neue mathematische Tools entwickelt werden.

Ich finde es spannend daran mitzuwirken, die theoretischen Werkzeuge, wie die Frequenzbereichsdarstellung von Signalen, die wir über Jahrzehnte hinweg erfolgreich auf gewöhnliche Zeitreihensignale angewendet haben, auf Signale zu verallgemeinern, die sich über beliebigen Netzwerktopologien ausbreiten. Das erlaubt es uns, diese Graph-basierten Daten im für uns Elektrotechniker vertrauten Kontext interpretierbar zu machen. Genau in diesem Themenkomplex ist auch meine neue Vorlesung zu verorten.

Wie beeinflusst die Coronakrise ihre Arbeit als Dekane und den Forschungsalltag an der TU Darmstadt?

Natürlich finde ich es schrecklich zu erleben, dass viele Mitmenschen persönlich gesundheitlich schwer betroffen sind und gar liebe Angehörige durch die Epidemie verlieren. Mir ist bewusst, dass viele Kinder und Jugendliche sich sozial isolieren müssen und ich erkenne auch, mit welchen Einschränkungen und Corona-bedingten gesundheitlichen, finanziellen und sozialen Schwierigkeiten die Studierenden in dieser Zeit zu kämpfen haben.

Aber wie in jeder Krise sehe ich im Alltag auch die Chancen, die sich durch die Digitalisierung ergeben und die durch Corona einen ungeahnten Schub gewonnen haben.

Was wollen Sie den Studierenden noch für dieses besondere Semester mit auf den Weg geben?

Bleiben Sie am Ball und nutzen Sie die digitalen Möglichkeiten, sich mit Mitstudierenden und Dozenten zu vernetzen. Versuchen Sie, die positiven Begleiterscheinungen konstruktiv für sich zu nutzen. Als Studierende waren Sie in der Gestaltung ihres Stundenplans und der Auswahl der Lehrveranstaltungen, die Sie besuchen wollen, nie so flexibel wie heute.

Studierende von Außerhalb benötigen in Zeiten von Corona keine langen Anfahrtswege. Die meisten Lehrangebote wurden von den Dozenten des Fachgebiets in den letzten Monaten überarbeitet und neue Lehrformen eingeführt. Ich bin fest davon überzeugt, dass diese Vielfalt auch nach der Krise, wenn der Präsenzunterricht wieder los geht, bestehen bleibt.

Herzlichen Dank für Ihre Antworten und dass Sie sich die Zeit für dieses Interview genommen haben!

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