"Die aufregendsten 8 Monate meines Lebens"

24.07.2019

„Die aufregendsten 8 Monate meines Lebens“

Austauschstudent Frederik Tesar mit der Universidad Nacional de Colombia im Interview

Ein Auslandsstudium bietet die einmalige Chance, für ein oder zwei Semester die vertraute Umgebung zu verlassen, ein neues Land und Leute kennenzulernen und die Sprachkenntnisse zu verbessern. Und die erworbenen Studienleistungen können natürlich auch angerechnet werden. Hier berichten wir in loser Folge von unseren Studierenden, die diese Erfahrung bereits gemacht haben.

Bilder: F. Tesar

Der Fachbereich Elektrotechnik und Informationstechnik begrüßt und unterstützt den internationalen Studierenden-Austausch und pflegt daher Austauschkooperationen mit renommierten Partneruniversitäten: Derzeit hat etit weltweit ca. 80 Partner in 37 Ländern.

Für qualifizierte Studierende bieten Double Degree-Programme die Möglichkeit, mit nur wenig Studienzeitverlängerung sowohl den Master of Science an der TU Darmstadt als auch den entsprechenden Abschluss einer der Double Degree-Partneruniversitäten von etit zu erlangen.

Auf unseren Webseiten finden Sie alle weiteren Hinweise und Informationen zum Bewerbungsverfahren. Deshalb:

„Nicht zögern – unbedingt bewerben“

Infoveranstaltung mit Treffen der RückkehrerInnen und Austauschstudierenden am Donnerstag, 24.10.2019 um 13:30 Uhr in S3|06, 052

Bewerbungszeitraum: 01. – 30. November

Man sagt, der erste Eindruck lässt sich nicht mehr rückgängig machen: Was war ihr erster Eindruck als Sie im Rahmen des Austauschstudiums im Land angekommen sind?

Schön wieder hier zu sein! – Denn im September 2017, ca. ein Jahr vor meinem Studienaustausch, war ich bereits für vier Wochen in Kolumbien gewesen. Ich erinnere mich außerdem, dass das erste Gespräch auf Spanisch mit dem Taxifahrer vom Flughafen zu meiner Unterkunft auch der erste Moment war, in dem mir meine Ankunft in Kolumbien wirklich bewusst wurde.

Sie haben beide Universitäten kennengelernt. Was ist aus ihrer Sicht der größte Unterschied?

Äußerlich gesehen, ist der größte Unterschied, dass auf dem Campus der Partneruniversität alle Fakultäten, die man sich vorstellen kann, benachbart in einem riesigen ovalen Gelände angeordnet sind. Dadurch läuft man als Ingenieur jeden Tag auch an übenden Musikstudenten, Geisteswissenschaftlern, bekittelten Ärzten, Arzthelfern und Chemikern sowie Zoologen, Pferden und Kühen vorbei. An der TU Darmstadt hingegen ist die Diversität der Fachgebiete zum einen viel geringer und zum anderen herrscht durch die Auslagerung einiger Fachgebiete auf die Lichtwiese auch eine stärkere räumliche Trennung. Hinzukommt, dass die Uni in Bogotá umzäunt ist, ein eigenes Sicherheitspersonal hat, die Polizei keinen Zutritt zum Gelände hat, die Uni politisch der vielleicht wichtigste Repräsentant und Verfechter öffentlicher Bildung in Kolumbien ist und daher der Campus von den eigenen Studenten als eine grüne Oase der Freiheit inmitten des weniger schönen Bogotá wahrgenommen wird.

Inhaltlich gesehen, habe ich die Partneruniversität im Ingenieurwissenschaftlichen Bereich als praxisorientierter und verschulter als die TU Darmstadt wahrgenommen. Ich würde pauschal behaupten, dass der Unterschied zwischen der TU Darmstadt und dem Fachbereich für Ingenieurwissenschaften an der Partneruniversität dem Unterschied zwischen technischer Universität und Fachhochschule sehr ähnlich ist.

Prestigemäßig gesehen, ist der größte Unterschied, dass es in Kolumbien das Amt und den Titel des Professors in unserem Sinne nicht gibt. Jeder Dozent wird von den Studierenden der Partneruniversität als Professor angesprochen. Der höchste Titel, der dem eigenen Namen formell vorgesetzt werden kann, ist der Doktortitel.

Sie haben sicher auch viel von der ausländischen Kultur mitbekommen. Gibt es besondere Eindrücke, die Sie zurück mit nach Deutschland nehmen?

Alle kulturellen Eindrücke, die ich während meines Auslandssemesters gemacht habe, kommen mir besonders vor, gleich positive wie negative Eindrücke. Einige dieser Eindrücke sind beispielsweise die im Allgemeinen sehr herzliche Gastfreundschaftlichkeit und Hilfsbereitschaft, die Menus del Dia, die vielen Früchte, die dort auch sehr viel alltäglicher konsumiert werden als hier (z.B. frisch gepresste Säfte) und definitiv auch die vielfältige Musik-,Tanz- und Sprachkultur, die mit jeder Region Kolumbiens variiert; auf der anderen Seite gehören zu diesen Eindrücken aber auch die extreme Schere zwischen Arm und Reich, eine erhöhte Kleinkriminalität im öffentlichen Bereich (nicht in der Uni!), eine pauschal häufiger anzutreffende Unzuverlässigkeit (auch seitens vereinzelter Professoren) und ein chaotischer (und umwelttechnisch ganz schwieriger) Straßenverkehr in Bogotá.

Was war ihr persönlicher Beweggrund, sich für das Auslandsstudium zu entscheiden?

Die Entscheidung für das Auslandsstudium ist in meinem Fall aus einer Summe sehr verschiedener Beweggründe gekommen, aber eigentlich hätten die meisten Gründe einzeln für sich schon ausgereicht, um sich für das Auslandssemester zu entscheiden.

Trotzdem hier ein paar Auszüge der langen Geschichte: Durch familiäre Einflüsse hatte ich bereits als Kind speziell für Kolumbien eine Neugier entwickelt und auch einen Bezug zur spanischen Sprache gehabt. Nachdem ich aus diesem Grund Spanisch-Kurse im Sprachenzentrum angefangen hatte, wurde das Spanischlernen zu einer kleinen Leidenschaft. Dann wurde mir speziell die Universidad Nacional de Colombia in Bogotá durch einen von mir auch fachlich sehr geschätzten Kommilitonen und ehemaligen Austauschstudenten empfohlen. Da meine Freundin aufgrund eines einjährigen und sehr prägenden Freiwilligendienstes in Peru sich auch sehr leidenschaftlich für Südamerika interessierte, machten wir eine vierwöchige Reise nach Kolumbien, während der wir auch die Partneruniversität besuchten. Danach war klar, dass wir dort ein Auslandssemester machen wollen. Am Ende waren es die aufregendsten 8 Monate meines Lebens.

Hat es Sie auch fachlich in ihrem Studium weitergebracht – und wenn ja auf welche Weise?

Das Studium in Bogotá war für mich fachlich sehr wertvoll. Da ich nach meinem abgeschlossenen Bachelor an der TU Darmstadt außer dem Lesen von Skripten und dem Lösen von Klausuraufgaben meiner Auffassung nach zu wenig praktische Anwendung hatte, um sich als Ingenieur zu verstehen, kam mir die praktische Arbeitsweise an der Partneruniversität gerade recht. Nach meinem Auslandssemester kehrte ich dann zufrieden mit viel anwendbarem Wissen und einer Reihe selbstentwickelter Softwareprojekte aus dem Bereich der Robotik und mobilen Applikationsentwicklung zurück.

Trotzdem möchte ich anmerken, dass der fachliche Erfolgt des Auslandsstudiums auch sehr mit den eigenen Erwartungen und der Fächerwahl zusammenhängt. Während für mich der Austausch fachlich einen großen Zugewinn darstellte, war meine Freundin von den Veranstaltungen im Soziologiebereich insofern enttäuscht, als dass sie sich südamerikanische Autoren und neue Sichtweisen erhofft hatte, stattdessen jedoch nahezu ausschließlich die europäische Literatur mit den üblichen Verdächtigen wie Kant und Foucoult unterrichtet wurde. Sie hat sich dann im Endeffekt indirekt mit postkolonialen Auswirkungen auf das Selbstbewusstsein der kolumbianischen Gesellschaftslehre auseinandergesetzt, was andererseits wieder eine wichtige Komponente des Austauschs war.

Glauben Sie, dass ein Auslandsaufenthalt Vorteile auf dem Arbeitsmarkt bietet?

Davon ist auszugehen. Ein Auslandssemester fördert nicht nur auf intensive Art und Weise die Fremdsprachenkenntnisse und kulturellen Erfahrungen. Gerade mit dem Auslandsstudium in einem Land wie Kolumbien, mit dem wir keine gut ausgearbeiteten Erasmus-Programme haben, welche einen immer brav an die Hand nehmen, wird die eigene Selbstständigkeit besonders herausgefordert.

Was würden Sie interessierten Studierenden raten, die sich gerade jetzt überlegen, ob Sie sich für ein Auslandsstudium bewerben sollen? Gibt es nützliche Tipps?

Ich habe viele nützliche Tipps speziell für die Realisierung des Auslandsstudiums an der Universidad Nacional de Colombia in Bototá. Aktuell helfe ich auch einem neuen Austauschstudenten in dieser Angelegenheit. Ich denke, einer der wichtigsten Ratschläge, die ich aber ganz allgemein in Zusammenhang mit einem Auslandsstudium geben kann, ist, dass es empfehlenswert ist, sich so gut wie möglich sprachlich auf den Austausch vorzubereiten. Dadurch nimmt man am Ende einfach von Allem (fachlich, kulturell, freundschaftlich und auch sprachlich…) mehr mit.

Universidad Nacional de Colombia:

Die Universidad Nacional de Colombia weist die Besonderheit auf, über das ganze Land verteilt zu sein. Es gibt in acht Städten Campus, wobei der Hauptsitz der Universität in Bogotá verortet ist. Der Austauschplatz des Fachbereiches ist mit der Sede Bogotá vereinbart.

Sowohl im Bachelor- als auch im Masterlevel bietet die Universität interessante Studiengänge, die für die Vertiefungen von etit und für Mechatronik geeignet sind:

• Automatización Industrial

• Ingeniería de Sistemas y Computación

• Ingeniería Electrónica

• Telecomunicaciones

• Ingeniería Eléctrica

Auf unseren Webseiten finden Sie alle weiterführenden Hinweise und Informationen zum Bewerbungsverfahren sowie ausführliche Erfahrungsberichte von Studierenden.

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