Der amerikanische Traum

18.07.2018

Der amerikanische Traum

TU-Alumnus Marc Augustin ist bei Samsung in den USA erfolgreich

Marc Augustin studierte an der TU Darmstadt Datentechnik. Nach einer Station bei Intel ist er nun in führender Position bei Samsung in der Prozessorforschung tätig und hat in den USA seine Heimat gefunden. Ein Porträt.

Der etit Alumnus Marc Augustin. Foto: Astrid Ludwig
Der etit Alumnus Marc Augustin. Foto: Astrid Ludwig

Wenn man Marc Augustin nach seinem Traumberuf als Jugendlicher fragt, kommt die Antwort prompt. „In der 7. Klasse schon habe ich beschlossen, CPU-Entwickler zu werden. Ich wollte immer ins Ausland gehen, am besten ins Silicon Valley“, sagt er. Ein Ziel, an dessen Umsetzung der gebürtige Groß-Gerauer schon während Schule und Studium geradlinig arbeitete. Und er hat es geschafft: Seit über 20 Jahren lebt der 46-Jährige in den USA, zuerst wie erhofft im Silicon Valley in Kalifornien und heute in Austin in Texas. CPU-Entwickler ist er in der Tat geworden. Die Abkürzung steht für Central Processing Unit, den Hauptprozessor, das elektronische Hirn eines jeden Computers. Seit 2010 arbeitet Marc Augustin als Principal CPU Architect im Samsung Forschungszentrum in Texas. Als Direktor ist er in führender Position zuständig für die strategische Ausrichtung der Prozessorforschung des südkoreanischen Weltkonzerns. Für den TU-Alumnus hat sich der Traum von der erfolgreichen Karriere in Amerika erfüllt.

Bei Manfred Glesner hat Marc Augustin von 1993 bis 1998 Datentechnik studiert. Wenn der unterdessen emeritierte Professor sein S8 Samsung Handy in die Hand nimmt, denkt er jedes Mal an seinen ehemaligen Studenten. Er ist stolz, „dass ein Darmstädter an der Entwicklung dieses kleinen Hochleistungscomputers mitgewirkt hat“, sagt er. Glesner und Augustin haben über die Jahre Kontakt gehalten. Nach dem Abschluss als Diplom-Ingenieur in Elektrotechnik hätte der Professor ihn gerne zur Promotion bewegt. Auch sein Professor-Kollege, der Regeltechnik lehrte, buhlte um den talentierten Studenten. Doch die Sogwirkung des Silicon Valleys war größer als der Drang nach akademischen Meriten. „Ich wollte beruflich und wirtschaftlich Erfolg haben“, sagt Marc Augustin. An seine Alma Mater in Darmstadt kommt er trotzdem immer wieder gerne zurück.

Lässig im schwarzem T-Shirt und Jeans steht er an diesem Morgen im elektronischen Klassenzimmer, dem Vortragsraum im neuen Gebäude des Fachbereichs Elektrotechnik und Informationstechnik gleich hinter dem Darmstadtium. Marc Augustin hält gleich zwei Vorträge für ein Sonderkolloquium seines ehemaligen Fachbereichs. Er spricht über den technischen Wettbewerb in einer globalisierten Welt, Prozessorentwicklung und die neuen Herausforderungen an die IT-Sicherheit in einem digitalen Zeitalter, das von der Macht der großen Konzerne und Attacken im Cyberspace geprägt ist. Immer wieder wechselt er ins Englische. „Ich bin heute mehr Amerikaner als Deutscher“, sagt er später im Interview. So manches Wort, zumal im beruflichen Kontext, fällt ihm zuerst auf Englisch ein. Einmal im Jahr besucht Augustin mit Frau und Sohn seine Eltern, die noch in Neustadt in der Pfalz wohnen. Diese Besuche verbindet er stets mit einem Abstecher nach Darmstadt. „Ich bin gerne an der TU und findet es toll, welche Entwicklung sie genommen hat“, betont er.

Team von 200 Forschenden

Als Design Engineer begann Marc Augustins beruflicher Weg in den USA, zunächst beim Unternehmen Intel im kalifornischen Santa Clara. Elf Jahre war er dort tätig, später als Senior Design Engineer für die Intel Atom CPU- und FPU-Prozessorentwicklung verantwortlich. „Eigentlich wollte ich gar nicht dauerhaft in den USA bleiben“, sagt er. Doch dann lernte er bei Intel seine indische Frau kennen, die dort ebenfalls als IT-Expertin arbeitete. Im Jahr 2000 wechselte der TU-Alumnus für Intel nach Austin /Texas und 2010 dann zu Samsung. Als er im Design Center für die Prozessor-Entwicklung anfing, arbeiten dort 12 Leute, erinnert er sich. Heute sind es 650 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Seit rund einem Jahr ist Marc Augustin in führender Position bei Samsung in der Prozessorforschung tätig – ein Wechsel von der technischen Seite ins Management. „Ich wollte immer schon Direktor werden“, sagt er. Sein Team umfasst 200 Wissenschaftler und Forscherinnen. „Ich habe ein Händchen für die Teamarbeit, für die Balance zwischen technischer Herausforderung und Menschenführung“, beschreibt er seine Stärken.

Augustin ist 46 Jahre und beruflich da, wo er hinwollte. Einen vergleichbaren Job, sagt er, gebe es für ihn in Deutschland kaum, „allenfalls das Forschungszentrum von Bosch würde mich noch reizen“. Wirtschaftlich hat er alles erreicht. Arbeiten müssen er und seine Frau eigentlich nicht mehr, aber der TU-Alumnus ist der rastlose, ungeduldige Typ. Ein Ziel hat er sich daher noch gesteckt: ein eigenes Startup-Unternehmen zu gründen. Er hat da auch schon eine Idee, die er aber natürlich nicht verraten will. Den eigenen Weg gehen, das Tempo und die Dynamik selbst bestimmen, das treibt ihn an. Vielleicht demnächst als Firmengründer.

Seinen Drang nach Freiheit und Unabhängigkeit lebt er ebenfalls in der Freizeit aus. Schon seit Schülertagen ist Augustin Segel- und Sportflieger. Auch da erfolgreich: Er war Mitglied der Deutschen Junior-Nationalmannschaft im Segelflug und ist für Deutsche Meisterschaften gestartet. „Dafür habe ich so manche Vorlesung In Darmstadt verpasst“, grinst er. Heute gehören ihm selbst vier kleine Flugzeuge und auch seine Frau besitzt seit vielen Jahren den Pilotenschein. Seine fliegerische Erfahrung nutzte Marc Augustin im Sommer 2017 für eine kurzentschlossene Evakuierungsaktion. Er flog von Texas nach Florida, um die Familie seiner Frau vor dem Hurrikan Irma zu retten.

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