Gerhard Sessler erhält renommierte Gold Medal

Acoustical Society of America zeichnet etit-Emeritus aus

01.06.2015 von

Ob Telefone oder Hörgeräte, Videokameras oder Tablet-PCs, MP3-Player oder Smartphones – der Beitrag von Gerhard Sessler zu diesen heute allgegenwärtigen Kommunikationsgeräten ist nicht wegzudenken. Mit seinen Erfindungen im Bereich der Akustik hat er die moderne Kommunikation entscheidend mitgeprägt. Für sein Lebenswerk, insbesondere für die Entwicklung des Elektret- und des Siliziummikrofons, wurde Sessler jetzt von der Acoustical Society of America mit der Gold Medal ausgezeichnet.

Bild: Acoustical Society of America

Gerhard Sessler studierte Physik in Freiburg, München und Göttingen und forschte nach seiner Promotion 1959 zunächst in den Bell Laboratories in den USA. Gemeinsam mit Dr. James E. West entwickelte er hier das Elektret-Mikrofon, das bis heute weltweit am weitesten verbreitet ist. Eingesetzt werden die kleinen, leistungsstarken und günstig zu produzierenden Mikrofone etwa in Telefonen, Hörgeräten, Videokameras sowie im Rundfunk und Fernsehen.

1975 erhielt Sessler den Ruf an die Technische Universität Darmstadt, wo er die Professur für Elektroakustik übernahm. In den 1980er Jahren entwickelten er und seine Mitarbeiter in Darmstadt das erste Silizium-Kondensator-Mikrofon. Tausende dieser Kleinstmikrofone lassen sich auf einer einzigen Siliziumscheibe produzieren. Heute wird das auch als MEMS-Mikrofon (für Micro-Electro-Mechanical-Systems) bekannte Silizium-Mikrofon insbesondere in Mobiltelefonen, aber auch in Laptops, Tablet PCs oder Kameras eingesetzt. Moderne Smartphones besitzen bereits mehrere dieser Mikrofone zur Geräuschunterdrückung.

Auch nach seiner Emeritierung 1999 leitet Sessler am Fachbereich Elektrotechnik und Informationstechnik (etit) die Forschungsgruppe Elektroakustik und betreut in der Lehre die Vorlesungen zur Akustik. Seine derzeitigen Forschungsaktivitäten konzentrieren sich auf die Grundlagen und Anwendungen der Piezoelektrete, einer neuartigen Gruppe von piezoelektrischen Polymeren. Zu den Anwendungen dieser Materialien gehören elektromechanische, elektroakustische sowie Ultraschall-Sensoren und Aktoren. Sie zeichnen sich durch hohe Empfindlichkeit und flexible Grenzfrequenz bei einfacher Bauweise aus. Beispiele sind die in den letzten Jahren entwickelten Beschleunigungs-Aufnehmer zur Schwingungs-überwachung von Maschinen und Fahrzeugen, Ultraschallwandler für die Verwendung in Einparksystemen in Automobilen und Energy Harvester zur Energieversorgung von autarken Messstellen, die allesamt interessante Alternativen zu bestehenden Wandlern dieser Art darstellen.

Zu den zahlreichen Auszeichnungen des international geschätzten Wissenschaftlers gehören die Helmholtz-Medaille der Deutschen Gesellschaft für Akustik 1993, die silberne Helmholtz-Rayleigh-Medaille der Acoustical Society of America 1997, der Technologiepreis der Eduard-Rhein-Stiftung 2007, der VDE-Ehrenring des Verbands der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik 2008, die Benjamin Franklin Medal in Electrical Engineering 2010 sowie der Wolfson James Clerk Maxwell Award des IEEE 2012. Im Jahr 1999 wurde Sessler in die National Inventors Hall of Fame der USA aufgenommen. Außerdem ist er Mitglied der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (acatech) sowie korrespondierendes Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften.

Die Gold Medal wurde Sessler am 20. Mai im Rahmen der 169. Tagung der Acoustical Society of America in Pittsburgh, Pennsylvania verliehen.

Gold Medal der Acoustical Society of America

Mit der Gold Medal würdigt die Acoustical Society of America wegweisende Beiträge im Bereich der Akustik. Sie ist die höchste Auszeichnung dieser Gesellschaft und wurde erstmals 1954 verliehen. Zu den Empfängern der Gold Medal gehören unter anderem auch der Erfinder des Kondensatormikrofons, Edward Wente und der ungarische Nobelpreisträger Georg von Békésy.