Der Fachbereich trauert um Prof. Piloty

22.01.2013

Am 21.1.2013 ist Herr Prof. Dr.-Ing. Robert Piloty im Alter von 88 Jahren verstorben.

Prof. em. Dr.-Ing. Robert Piloty

Professor Piloty wirkte von 1964 bis zu seiner Emeritierung 1990 an unserer Universität. Mit seiner Berufung an die Fakultät Elektrotechnik gründete er das Institut für Nachrichtenverarbeitung, aus dem später das Institut für Datentechnik hervorging.

Professor Piloty war einer der hervorragenden, international anerkannten Pioniere auf dem Gebiet der Konstruktion von programmgesteuerten Rechenanlagen. Nach dem Studium der Elektrotechnik und Promotion auf dem Gebiet der Mikrowellentechnik an der damaligen TH München und inspiriert durch einen Studienaufenthalt am amerikanischen MIT entstand durch seine Initiative und unter seiner technischen Leitung ab 1949 an der TH München die PERM (Programmgesteuerter Elektronischer Rechenautomat München). Dieses außerordentlich erfolgreiche Großprojekt diente lange Jahre der Ausbildung von Entwicklungsingenieuren und war nicht nur Demonstrationsmodell, sondern eine voll funktionsfähige digitale Rechenanlage, die 17 Jahre den Kern des Leibniz-Rechenzentrums München bildete. Die PERM steht heute im Deutschen Museum in München.

Nach dem Ende der PERM-Aktivitäten ging Robert Piloty als Stellvertretender Leiter des IBM-Forschungslabors nach Zürich und übernahm anschließend die Leitung der Systemplanung bei SEL in Stuttgart. Seit 1961 schon außerplanmäßiger Professor an der TH München, wurde er 1964 an die damalige TH Darmstadt auf den Lehrstuhl für Nachrichtenverarbeitung der Fakultät für Elektrotechnik der TH Darmstadt berufen, aus dem später das heutige Institut für Datentechnik mit derzeit vier Fachgebieten hervorgegangen ist.

In seiner Forschungstätigkeit hat er sich mit einer Vielzahl von Gebieten beschäftigt, von der Mikrowellentechnik über den rechnergestützten Schaltungsentwurf und Hardwarebeschreibungssprachen (Hardware Description Languages, HDLs) bis hin zu Entwurfsdatenbanken. Insbesondere die Entwicklung erster HDLs auf Registertransferebene wurde in der internationalen CONLAN-Arbeitsgruppe fortgesetzt, die unter der Leitung von Robert Piloty einen Bezugsrahmen für die Definition von standardisierten Hardwarebeschreibungssprachen mit präziser Semantik entwickelte.

Professor Piloty war maßgeblich am Aufbau der Informatik als eigenständige Fachdisziplin in Deutschland beteiligt. Er war unter anderem Mitglied des Fachbeirates Datenverarbeitung der Bundesregierung und einer der Initiatoren des 1970 vom Bundesministerium für Forschung und Technologie gestarteten „Überregionalen Forschungsprogramms Informatik“ und Leiter des zugehörigen Sachverständigenkreises.

Auch an der TH Darmstadt hatte Professor Piloty durch sein großes Engagement und seine große Beharrlichkeit, unter anderem als Leiter der 1968 eingesetzten Senatskommission zur Einrichtung eines Informatik-Studiengangs und Mitglied des späteren Gründungsausschusses, wesentlichen Anteil an der Einrichtung des Fachbereichs Informatik im Jahre 1972, dessen Zweitmitglied er wurde.

Professor Piloty ist auch Gründungsmitglied der Gesellschaft für Informatik. Als Mitglied der Generalversammlung der International Federation for Information Processing (IFIP) und von 1979-1984 als deren Vizepräsident hat er über viele Jahre die deutsche Informatik international vertreten. Seine vielfältigen Verdienste wurden durch nationale und internationale Auszeichnungen hoch anerkannt: den IFIP Silver Core Award (1980), das Bundesverdienstkreuz erster Klasse (1985), die Konrad-Zuse-Medaille der Gesellschaft für Informatik (1989), die Alwin-Walter-Medaille der TU Darmstadt (2000) und die Carl-Friedrich-Gauß-Medaille der Braunschweigischen Wissenschaftlichen Gesellschaft (2001). Außerdem wurde er 1993 zum ordentlichen Mitglied der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste berufen und 1997 als Fellow der IEEE ausgezeichnet.

Der Fachbereich Elektrotechnik und Informationstechnik verliert mit Herrn Prof. Piloty nicht nur einen hochangesehenen Wissenschaftler und inspirierenden Forscher, sondern auch einen verdienten Hochschullehrer und geschätzten Kollegen.

Mit den Angehörigen trauern wir um den Verstorbenen, dem wir ein ehrendes Andenken bewahren werden.

Prof. Dr.-Ing. Abdelhak Zoubir, Dekan