Unternehmensgründung während des Studiums

Im Interview: David Muhau über sein Start-up "SkipQ"

20.03.2017 von

Nach dem Studium ein eigenes Unternehmen zu gründen, ist mittlerweile für viele Absolventen eine reale berufliche Option. Der etit-Student David Muhau gründete sein eigenes Unternehmen „SkipQ“ schon während des Studiums. Wir haben mit dem Gründer gesprochen.

David Muhau im Interview über seine Unternehmensgründung: „Man muss an sich glauben!“ Bild: H. Schmidt

Was ist die Grundidee von SkipQ?

SkipQ ist eine Bestellplattform, mit der man im Voraus bestellen und bezahlen kann. Z.B. beim Bäcker, im Restaurant oder im Supermarkt. Und die Idee dabei ist, wenn man keine Zeit hat und man hat es eilig, dann gibt es oft eine Warteschlange und man muss lange warten. Und mit SkipQ gibt es die Möglichkeit im Voraus zu bestellen und sofort sein Produkt abzuholen. Man muss nur den QR-Code auf seinem Smartphone vorzeigen und muss nicht mehr in der Warteschlange stehen. Kein Warten, kein Bargeld, einfach direkt in den Laden und mitnehmen.

Wie bist Du auf die Idee dafür gekommen?

Manche würde sagen, ich sei manchmal ein sehr ungeduldiger Mensch. (lacht) Und irgendwann im Frankfurter Hauptbahnhof wollte ich eigentlich nur einen Kaffee holen, aber die Schlange war so lang und ich musste zum Zug. Und ich dachte mir, das lässt sich doch effizienter, schneller und klüger machen. Wenn man sich dann den Verkaufsprozess mal anschaut, dann sieht man sofort, dass ca. 90% der Zeit dabei auf das Auswählen des Produktes und das Bezahlen draufgehen.

Hattest Du bereits Vorerfahrungen?

Ich war als Double Degree-Student in Sao Paolo und dort war der Kontakt zur Gründerszene sehr eng und ich habe da auch in einem Start-up gearbeitet. Da haben wir die App für eine der größten Einzelhandelsketten mitentwickelt. Und das war einfach eine richtig tolle Erfahrung, vor allem weil sich hier der Umgang mit Soft- und Hardware gut verbinden ließ. Und diese Erfahrungen im Double Degree-Programm war auch einfach eine persönliche Bereicherung: Man merkt ganz schnell, dass in vielen Ländern dieser Welt Bildung, gerade auch universitäre Bildung, ein extrem privilegiertes Gut ist. Und dann lernt man die Ausbildung hier in Deutschland schon sehr schätzen – vor allem weil sie kostenlos und ziemlich gut ist. Und diese Erfahrung in Brasilien hat mir für die Unternehmensgründung nochmal eine richtige Motivation gegeben.

Eine Unternehmensgründung ist ja ein relativ langer Prozess. Wo befindet ihr euch mit SkipQ gerade?

Wir sind kurz vor dem Launchen, also haben bereits gegründet. Das Projekt läuft seit Oktober 2015, damals hatten wir die Idee auf einer Google-Veranstaltung präsentiert. Und dann hat sich ein Team gefunden, mit dem wir das Projekt weiterverfolgt haben. Das Team hat aber nicht lange gehalten und zu diesem Zeitpunkt kam das Gründungszentrum der TU Darmstadt, HIGHEST ins Spiel. Und mit deren Hilfe konnten wir das Team wieder aufbauen und auch das Projekt weiterentwickeln. Mit Hilfe von HIGHEST sind wir dann im Jahr 2016 auf die Cebit-Messe in Hannover gekommen. Wir hatten zu dem Zeitpunkt eigentlich nichts, haben uns aber vor Unternehmern aus der ganzen Welt wie Profis präsentiert. Das war schon sehr motivierend, weil man auch gesehen hat, dass viele Leute die Idee sehr interessant fanden. Und seitdem sind wir fleißig am Entwickeln und suchen gerade vor allem Nutzer, die Lust haben die App ausgiebig zu testen. Und auf der anderen Seite suchen wir natürlich Geschäftspartner aus dem Einzelhandel, die innovativ eingestellt und mit denen wir das dann weiterentwickeln können. Momentan können unsere Testnutzer bereits im 4Cani am Darmstädter Hauptbahnhof unsere App nutzen.

Du hast das Unternehmen nicht erst nach dem Abschluss deines Studiums gegründet, sondern schon mittendrin. Wie lief das?

Ja, das war damals eine ganz schön anstrengende Zeit. Das war damals natürlich auch eine sehr wichtige Entscheidung, vielleicht sogar eine der wichtigsten Entscheidungen in meinem Leben bisher. Als man sehen konnte, dass da ein gewisses Potential dahinter steckt, überlegt man natürlich schon, weil ich zu dem Zeitpunkt noch mitten im Studium war. Und faktisch habe ich dann ein halbes Semester gar nichts mehr getan für die Uni, auch weil die Motivation dann natürlich zu 100% beim Unternehmen lag. Heute bin ich froh, dass ich mich dann aber auch wieder für das Studium und für einen Abschluss entschieden hatte und das Studium nicht ganz geschmissen habe.

Wenn man ein Unternehmen gründet, braucht man sicherlich ein gewisses Maß an Risikofreude. Welche Eigenschaften muss ein Unternehmensgründer deiner Meinung nach noch mitbringen?

Was ich von meiner Mutter gelernt habe: Man muss immer kämpfen, egal wie hart es kommt. Wenn man von etwas überzeugt ist, glaube daran und glaube auch an dich selbst. Das hat mir sehr geholfen: Der Glaube an mich selbst und an die Idee, um nicht aufzugeben. Dann kann man viele Kenntnisse und Fähigkeiten, die ich nicht hatte, kompensieren. Ich bin jetzt nicht der begabteste Ingenieur und konnte vorher auch keine Buchführung, aber das kommt dann, wenn man die richtige Einstellung zu seinem Projekt hat. Dann schafft man vieles. Das ist, denke ich, schon sehr wichtig.

Wie wichtig ist so eine Community, eine Start-up-freundliche Umgebung?

Ganz wichtig! Alle wollen ja immer nach Berlin, das angeblich neue Silicon Valley. Aber Darmstadt steht da in nichts zurück. Es ist alles da, was man braucht: eine hervorragende Universität, große Unternehmen im Rhein-Main-Gebiet und auch so eine Art Spirit, eine Bereitschaft sich auf Neues einzulassen. Gut ausgebildete Studenten und eine gute Infrastruktur gibt es hier natürlich auch. Und man merkt, dass sich die Start-up-Szene in den letzten Jahren sehr schnell entwickelt hat in Darmstadt und Frankfurt. Und dann ist es natürlich sehr viel einfacher, aus einer Idee ein Unternehmen zu gründen.

Vor welchen Herausforderungen steht ihr im Moment?

Aktuell sind wir momentan auf der Suche nach weiteren Mitarbeitern, vor allem Entwicklern, die Lust haben in so einem kleinen Start-up-Team mitzuarbeiten. Außerdem suchen wir natürlich auch noch weitere Tester, die unsere App ausgiebig nutzen. Und natürlich Partnern im Einzelhandel, die Lust haben, über unsere App neue Kunden zu gewinnen. Und an die Studierenden: Man kann sicherlich auch Bachelor- und Masterarbeiten bei uns schreiben. Es gibt also noch viel zu tun, aber da freue ich mich auch drauf.