Sicherheit für Darmstadt

Erstsemester-Studierende entwickeln Verkehrskonzepte für den Luisenplatz

07.12.2015 von

LED-Warnsysteme, Hologramm-Informationssäulen, automatische Ein- und Ausstiegshilfen für Busse und Straßenbahnen, interaktive Leitsysteme für Sehbehinderte, Informations-Apps, Schienen-Antirutsch-Vorrichtungen – im Rahmen des Erstsemester-Einführungsprojektes bei etit entwickelten die Studierende viele kreative Ideen, wie sich der Luisenplatz sicherer und übersichtlicher gestalten lässt. Letzten Freitag präsentierten die 50 Gruppen bei der Abschlussveranstaltung ihre Ideen vor eine Fachjury aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft.

Den Luisenplatz für Passanten sicherer zu machen, war die Aufgabe für Erst-Semester-Studierende aus verschiedenen Fachbereichen. Bild: Andreas Arnold

Der Luisenplatz ist der zentrale Platz des öffentlichen Verkehrs in Darmstadt. Täglich queren hier acht Straßenbahnlinien und etliche Buslinien des städtischen- und des Nahverkehrs. Gleichzeitig ist der Luisenplatz ein Teil der Fußgängerzone und zum Befahren für Radfahrer freigegeben. Typische Gefahren wie Zusammenstöße scheinen hier fast vorprogrammiert. Aufgabe der diesjährigen Erstsemester-Projektwoche am Fachbereich etit war es, eine technische Lösung zu entwickeln, die solche Verkehrsknotenpunkte für alle Verkehrsteilnehmer sicherer macht. Die Jury überzeugen konnten letztendlich ein Sehbehindertenwarnleitsystem (Platz 1), das Leitsystem Darmstadt – moving barriers (Platz 2) sowie ein Gesamtoptimierungskonzept des Luisenplatzes (Platz3).

Barrierefreiheit für Sehbehinderte

Gleich zwei der Siegergruppen hatten sich mit der Frage beschäftigt, wie sich die Lage auf dem Luisenplatz für Sehbehinderte Menschen optimieren lässt. Das Konzept des „Sehbehindertenwarnleitsystem“ soll mit Hilfe von Infrarottechnik zu mehr Autonomie verhelfen: In den Boden eingelassene Infrarot-Module dienen als Wegmarker, Informationspunkte und Warnsystem. Mit Hilfe eines Infrarot-Sensors werden die Signale empfangen und entsprechende Informationen per haptischem Feedback oder Sprachausgabe über das Smartphone an den Nutzer gemeldet. Der Sensor ließe sich ohne viel Aufwand an jeden handelsüblichen Blindenstock montieren.

Auf eine andere barrierefreie Lösung setzt das „Leitsystem Darmstadt – moving barriers“: Aktive taktile Steine zeigen den Sehbehinderten an, wann eine sichere Überquerung der Fahrspuren möglich ist. Die mit Sensoren ausgestatteten Steine registrieren, ob ein Bus oder eine Straßenbahn anfährt – und verändern daraufhin mittels einen Motors im Innern ihre Oberfläche. Das System stützt sich hierbei auf die an bereits vielen Orten eingesetzt Rillen und Noppenstruktur bei Bodensteinen, mit denen Sehbehinderten der Weg gewiesen wird.

Gesamtkonzept zur Optimierung des Luisenplatzes

Aufgrund einer Umfrage hatte die dritte Siegergruppe gleich mehrere Punkte zur Optimierung auf dem Luisenplatz identifiziert – und daraus ein Gesamtkonzept entwickelt. Neben Übersichtlich nummerierten Haltestellen, beleuchteten Unterständen und von allen Seiten gut sichtbaren Anzeigetafeln im Dreiecksformat ist das Herzstück ihres Konzeptes ein Laserwarnsystem: Ein an die Fahrzeuge montierter Laser warnt Passanten mittels eines auf 10 Meter gut sichtbaren animierten Musters optisch vor der Gefahr einer herannahenden Straßenbahn oder eines Bus. Der Vorteil dieser Lösung: Sie ist nicht nur auf dem Luisenplatz beschränkt, sondern lässt sich in der gesamten Stadt einsetzen.

„Sehbehinderten-Warnleitsystem“ von D. Rösch, J. Strobl, T. Nguyen, T. Müller, M. Kühne, Y. Strelow, A. Sahin, M. Kukula und A. Möller

Beschreibung: „Das Sehbehinderten-Warnleitsystem verbessert die Lebensqualität sehbehinderter Personen durch Orientierungshilfen mit Infrarotsignalen und zusätzliche Sicherheit im öffentlichen Raum und schafft somit Autonomie.“

Foto: Hanna Ganpantsur

„L.S.D. moving barriers“ von A. Aouadi, S. Appel, M. Arslan, A. Brückner, J. Bundschuh, A. Naumenko und L. Rincke

Beschreibung: „Sehgeschädigte erkennen anhand von strukturierten Bodensteinen, welche Wege sie gehen und welche sie meiden sollen. Diesem Gedankengang folgend entwickelten wir einen aktiven „taktilen“ Stein, welcher eine sichere Überquerung der Schienen ermöglicht. Dieser Stein erkennt über Sensorik, wann ein Bus/eine Tram einfährt, verändert seine Oberflächenstruktur und gibt so das Signal zum Anhalten vor dem Schienenübergang.“

„Optimierung des Luisenplatzes“ von Philipp Gebhart, Patrick Geisel, Patrick Geiß, Vincent Gerspach, Alexander Gersting, Johannes Gersting, Mikel Lange, Cathrine Laport, Tabea Schlürscheid und Alexandru Trifan

Beschreibung: „Den Punkt Komfort sind wir durch die Schaffung von beleuchteten Unterständen angegangen, auch planen wir die Atmosphäre durch optische Verschönerungen zu verbessern. Die Übersichtlichkeit sind wir durch die Umstrukturierung des bestehenden Haltestellenkonzeptes, sowie die Aufstellung drei großer im Dreieck angeordneter Anzeigetafeln angegangen. Um die Verkehrssicherheit auf längere Hinsicht zu verbessern und die Unfallstatistik zu schmälern, haben wir ein innovatives Lasersystem entwickelt. Dies warnt Fußgänger mit einem sehr auffälligem und auf 10 Meter gut sichtbaren animierten Muster optisch vor der Gefahr einer ankommenden Straßenbahn oder einem Bus. Ein großer Vorteil gegenüber anderen Systemen ist, dass es sich nicht nur auf einen Ort beschränkt, sondern in der ganzen Stadt eingesetzt werden kann und das Stadtbild nicht nachteilig beeinflusst.“

Im Rahmen des interdisziplinären Einführungsprojektes 2015 bei etit tüftelten 421 Studierende in 50 Gruppen eine Woche lang von Montag bis Freitag an einer Idee für einen „sicheren“ Luisenplatz. Die Gruppen waren bunt gemischt: Angehende Elektro- und Informationstechniker, Humanwissenschaftler, Rechts- und Wirtschaftswissenschaftler sowie Gesellschafts- und Geschichtswissenschaftler arbeiteten gemeinsam in einem Team.

In den fächerübergreifenden Gruppen lernen die Studienanfängerinnen und Studienanfänger nicht nur, wie man ein technisches Lösungskonzept für eine komplexe, praxisnahe Aufgabe entwickelt. Sondern gleichzeitig üben sie sich in der Teamarbeit, und das insbesondere in einer heterogenen interdisziplinären Gruppe. Eine Fertigkeit, die in der Arbeitswelt immer stärker nachgefragt wird. Denn zunehmend sind neben soliden Fachkenntnissen auch der Blick über den Tellerrand und die Fähigkeit zum Perspektivwechsel gefragt.

Last but noch least soll das Projekt den Erstsemstern Spaß und Motivation bieten, um den kommenden Herausforderungen des Studiums gewachsen zu sein.