Gerhard Sessler erhält Bundesverdienstkreuz

07.09.2016

Gerhard Sessler erhält Bundesverdienstkreuz

Der emeritierte Darmstädter Professor und Forscher ist ein Pionier der Elektroakustik

Im Jahr 1962 entwickelte Gerhard Sessler zusammen mit James E. West das Folien-Elektretmikrofon, welches aufgrund seiner kompakten Bauweise einen weltweiten Siegeszug antrat. Für seine herausragenden Verdienste in Wissenschaft und Forschung wurde Prof. Dr. Dr. h.c. Gerhard Sessler nun mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens ausgezeichnet.

Gerhard Sessler (Mitte) empfängt das Bundeverdienstkreuz im Rathaus der Stadt Darmstadt von Oberbürgermeister Jochen Partsch (re.) und Thomas Metz (li.), Staatssekretär im hessischen Justizministerium.
Gerhard Sessler (Mitte) empfängt das Bundeverdienstkreuz im Rathaus der Stadt Darmstadt von Oberbürgermeister Jochen Partsch (re.) und Thomas Metz (li.), Staatssekretär im hessischen Justizministerium.

Im Auftrag des Bundespräsidenten und im Namen des hessischen Ministerpräsidenten wurde die Verleihung des Verdienstkreuzes von Thomas Metz, Staatssekretär des hessischen Justizministeriums vorgenommen. Er erinnerte an die Stiftung durch Theodor Heuss vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkriegs: „Es war eine bewusste Reaktion für eine Bürger- und Zivilgesellschaft. Die Auszeichnung wird nicht für eine einzelne Leistung verliehen“, so Metz. „Sondern ist eine Ehrung für das gesamte Lebenswerk.“

Sessler: "Fast die Hälfte meines Lebens an der TU. Und ich habe mich hier immer sehr wohl gefühlt."
Sessler: „Fast die Hälfte meines Lebens an der TU. Und ich habe mich hier immer sehr wohl gefühlt.“

Metz hob die herausragende Zahl von rund 100 Patenten Sesslers hervor: „Das zeigt ganz deutlich, dass Forschen Ihr Lebensinhalt ist. Wenn man forscht, muss man neugierig sein auf das Leben.“ Auch Oberbürgermeister Jochen Partsch gratulierte Professor Sessler: „Sein wissenschaftliches Wirken wird für immer mit Darmstadt verbunden sein.“

Gerhard Sessler wurde 1931 in Rosenfeld geboren. Er studierte Physik in Freiburg, München und Göttingen, wo er 1957 sein Diplom erwarb und 1959 zum Thema Schallausbreitung in Distickstofftetroxid promovierte. Nach seiner Promotion wechselte Sessler in die renommierten Bell Laboratories in den Vereinigten Staaten. Von 1967 bis 1975 leitete er dort das Acoustic Research Department. Mit seinem Mitarbeiter James E. West entwickelte er 1962 das Folien-Elektretmikrofon. Aufgrund der kompakten Bauweise sowie seiner Leistungsstärke und günstigen Herstellungskosten besitzt dieses Mikrofon heute einen Marktanteil von rund 90 Prozent und ist z.B. in vielen Smartphones und Videokameras verbaut.

Skypen, telefonieren, Messenger-Sprachnachrichten: Sessler hat zur modernen Kommunikationswelt entscheidend beigetragen

Im Jahr 1975 wurde Gerhard Sessler Professor und Fachgebietsleiter für Elektroakustik an der Technischen Universität Darmstadt. Dort entwickelte er mit seinen Mitarbeitern in den 1980er Jahren ein weiteres Mikrofon auf Siliziumbasis. Auch nach seiner Emeritierung 1999 leitet er weiterhin die Forschungsgruppe Elektroakustik am Fachbereich.

Gerhard Sessler und James E. West entwickeln 1962 das Folien-Elektretmikrofon. Foto: Bell Laboratories
Gerhard Sessler und James E. West entwickeln 1962 das Folien-Elektretmikrofon. Foto: Bell Laboratories

Hans Jürgen Prömel, Präsident der TU Darmstadt: „Das wissenschaftliche Wirken Gerhard Sesslers wurde vielfach ausgezeichnet und findet nach wie vor auch international eine hohe Anerkennung. Mit der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes erfahren seine wissenschaftlichen Leistungen, seine Forschungen und Entwicklungen und seine Persönlichkeit eine ganz besondere Ehrung. Im Namen der TU Darmstadt und auch persönlich gratuliere ich sehr herzlich.„

Gerhard Sessler wurde im Jahr 1999 in die amerikanische Inventors Hall of Fame aufgenommen und erhielt 2010 die Benjamin Franklin Medaille.

„Für viele Kollegen und auch für mich ist Professor Sessler ein wirklich herausragendes Beispiel für Forschergeist und echte Hingabe an die Wissenschaft. Selbst nach seiner Emeritierung ist er weiterhin am Fachbereich tätig und unterstützt junge Nachwuchswissenschaftler“, so Prof. Jürgen Adamy, Dekan des Fachbereichs.

Gerhard Sessler nahm die Auszeichnung sehr bescheiden entgegen: Man müsse mit der richtigen Idee am richtigen Ort zur richtigen Zeit sein. Von zehn Ideen könne man vielleicht eine verwirklichen, so Sessler. Auch dankte er seinen vielen Mitarbeitern und der Universität für die Rahmenbedingungen, die es ihm ermöglichten zu forschen: “Wir Ingenieure brauchen eine Spielwiese auf der wir unsere Ideen entwickeln können."

zur Liste