Historie des Fachbereiches für Elektrotechnik an der TUD

1882 Gründung des weltweit ersten Lehrstuhls für Elektrotechnik [1,2,3,4] und Berufung von Erasmus Kittler.
1883 Die TUD richtet als erste Hochschule eine Fakultät für Elektrotechnik [1] ein.
1883 Gründung des weltweit ersten Studienganges für Elektrotechnik [1,4]. Der Studiengang umfaßt vier Jahre mit nachfolgender Abschlußprüfung.
1883 Michael von Dolivo-Dobrowolsky [1,2,3,4,5,6,7] studiert 1883-84 Elektrotechnik an der TUD und ist 1885-1887 Assistent bei E. Kittler. Er erfindet 1888 bei der AEG den ersten funktionsfähigen Drehstrommotor, der heute im Deutschen Museum in München steht. Er prägt den Begriff „Drehstrom“ und führt 1891 über 175km mit 15.000 Volt die weltweit erste Fernleitung elektrischer Energie aus.
1884 Carl Hering [3], Maschinenbauingenieur aus den USA, beginnt seine Studien in der Elektrotechnik 1884 als erster Assistent Kittlers. Er ist 1902 einer der Gründer der American Elektrochemical Society und entwickelt 1908 den Heringschen Versuch.
1894 K. Wirtz wird auf den ersten nachrichtentechnische Lehrstuhl Deutschlands berufen.
1907 R. Goldschmidt studiert und promoviert bei E. Kittler bis 1907 und ist bis 1911 Privatdozent und Professor der TU. In dieser Zeit entwickelt er die Technologie für die erste Funkübertragung [2] zwischen den USA und Deutschland. Mit A. Einstein zusammen erfindet er später u.a. ein elektrisches Hörgerät.
1914 W. Petersen [2], Nachfolger Kittlers von 1914-1933, begründet die Hochspannungstechnik und erfindet die Erdschluß-Löschspule. Das Original steht heute im Deutschen Museum in München.
1921 T. Schultes [2] studiert von 1921 bis 1926 Elektrotechnik und promoviert 1934 in der Physik. Er entwickelte 1935 das weltweit erste RADAR-Frühwarnsystem.
1929 Kurt H. Debus [10] studiert ab 1929 Elektrotechnik, promoviert 1939 darin und ist bis 1944 Assistenzprofessor. Von 1962 bis 1974 leitet er das John F. Kennedy Space Center der NASA und ist verantwortlich für die Starts aller Apollo-Missionen einschließlich der Mondmissionen.
1930 Hans Busch [2,3,5,8] wird berufen. Er begründet die Elektronenoptik und schafft damit die theoretischen Grundlagen des Elektronenmikroskops.
1933 Gleichschaltung der Hochschule während der Nationalsozialistischen Diktatur von 1933-1945.
1946 Der erste Internationale Kongreß für Ingenieursausbildung (IKIA) findet an der TUD statt. Die Teilnehmer verpflichten sich, Forschung und Lehre in Zukunft ausschließlich für friedliche Zwecke zu nutzen.
1952 Karl Küpfmüller [2,9] wird berufen. Er entwickelte, beginnend im Jahr 1924, die Systemtheorie der elektrischen Nachrichtentechnik.
1954 Der erste Lehrstuhl für Regelungstechnik der Bundesrepublik Deutschland wird beschlossen und 1957 eingerichtet. Leiter wird Winfried Oppelt.
1963 Der erste Lehrstuhl Deutschlands für Elektromechanische Konstruktionen, ein Vorläufer der Mechatronik, wird eingerichtet.
1963 Der erste Lehrstuhl Deutschlands für Stromrichtertechnik wird eingerichtet.
1964 R. Piloty wird berufen und initiiert die ersten Informatikstudiengänge in Deutschland.
1968 K. Hasse erfindet die feldorientierte Regelung. Sie ist Grundlage aller modernen Drehstrommotoren, wie sie z. B. im ICE, bei Windkraftgeneratoren und in Automobilen mit Hybridantrieb verwendet werden.
1972 W. Hilberg, von 1972-2000 Professor der TUD, erfindet 1967 die Funkuhr und entwickelt die wesentlichen Elemente und Prototypen dieser Uhr an der TUD. Der erste dieser Prototyp liegt heute im Deutschen Museum in München.
1977 T. Weiland entwickelt die Finite-Integrations-Theorie. Sie ermöglicht u.a. die Berechnung elektromagnetischer Felder im menschlichen Körper.
1983 G. Sessler und D. Hohm erfinden das Silizium-Mikrofon.
1988 O. Kindl und W. Langheinrich entwickeln die CMOS-Niedrigsttemperatur-Technologie für die Kameras des Infrared Space Observatory (ISO [8]) der ESA.
1988 Der von Rolf Isermann, Nestor der Mechatronik, initierte und geleitete DFG-Sonderforschungs-bereich „Neue integrierte mechanisch-elektronische Systeme für den Maschinenbau“ nimmt seine Arbeit auf. Er ist wegweisend für die Mechatronikentwicklung in Deutschland.
1990 Das Elektrofahrzeug Pinky gewinnt die Weltmeisterschaft der Solarmobile 1990, 1991 und 1992. Pinky steht heute im Deutschen Museum in München.
1996 Der erste Lehrstuhl Deutschlands für Regenerative Energien wird eingerichtet.
1999 G. Sessler, von 1975 bis 1999 Professor der TUD, wird zusammen mit J. E. West für die Erfindung des Elektret-Mikrofons in die „National Hall of Fame“ der USA aufgenommen. Das Elektret-Mikrofon [6] ist das weltweit gebräuchlichste Mikrofon und wird u.a. in Handys und Kasettenrekorder eingebaut.
1999 M. Anders, E. Andresen und A. Binder entwickeln den Linearantrieb des Stratospheric Observatory for Infrared Astronomy (SOFIA) der NASA.
2007 T. Hartkopf, Professor der TUD und Vorstandsmitglied der EnBW, und sein Team entwickeln die energietechnischen Systeme der beiden Darmstädter Solarhäuser, die in den Jahren 2007 und 2009 den Solar Decathlon der USA gewinnen.
2010 Gerhard Sessler erhält die Benjamin Franklin Medal, die vor ihm u.a. Thomas A. Edison, Niels Bohr, Max Planck, Orville Wright, Albert Einstein und Stephen Hawking erhielten.

[1] W. König: Technikwissenschaften. Chur: Fakultas, 1995.
[2] K. Jäger: Lexikon der Elektrotechniker. Berlin: VDE-Verlag, 1996.
[3] G. Neidhöfer: Michael von Dolivo-Dobrowolsky und der Drehstrom. Berlin: VDE-Verlag, 2004.
[4] T.P. Hughes: Networks of power: electrification in the Western society. JHU Press, 1993
[5] Propylaen Weltgeschichte. Berlin: Propylaen Verlag, 1964.
[6] Propylaen Technikgeschichte. Berlin: Propylaen Verlag, 1997.
[7] G. Neidhöfer: Early three-phase power. IEEE Power and Energy Magazine 5(5) S. 88-100, 2007
[8] Brockhaus Naturwissenschaft und Technik. Heidelberg: Bibliographisches Institut, 2003.
[9] Lexikon der Physik, Heidelberg: Spektrum Akademischer Verlag, 1998-2000.
[10] C. McGlesky und O. Christensen: Launching a Vision. Proc. of 52nd International Astronautical Congress, Toulouse, 2001.